Schlagwort: personalisierte Werbung

Google stoppt E-Mail-Scans für personalisierte Werbung

29. Juni 2017

Was viele Nutzer des googleeigenen Mailingsdienstes Gmail vemutlich bisher gar nicht wissen: Google scannt alle E-Mails der Nutzer, um diese in einem zweiten Schritt mit personalisierter Werbung ansprechen zu können. Doch mit dieser Praxis soll nun Schluss sein. Dies kündigte die für Googles Cloud-Geschäft zuständige Managering Diane Greene zumindest nun im Blog des Unternehmens an. Ohne den genauen Zeitpunkt des Stopps zu nennen, erklärte sie „Nach dem Wechsel wird der Inhalt der Nachrichten in Gmail nicht mehr gescannt, um die Anzeigen zu personalisieren.

In der kostenlosen Variante des Mailingsdienstes wird die Scan-Methode bereits seit dem Start des Services 2004 angewendet, um die Bereitstellung finanzieren zu können. Die Praxis, die Mails im Posteingang des jeweiligen Nutzers zu scannen, um ihn dann im Web-Interface mit, auf die Inhalte der Mails zugeschnittener Werbung anzusprechen, hatte schon damals zu vielen kritischen Stimmen gesorgt, die allerdings erst jetzt Früchte tragen, indem Google den E-Mail-Scan einstellt.

Trotz der umstrittenen Funktion war die Nachfrage, vor allem aufgrund des großen und bis dato konkurrenzlosen Funktionsumfang, für den werbefinanzierten Google-Dienst groß. Auch die Bezahlversion Google G Suite, bei dem das Scan-Verfahren nicht eingesetzt wird, nutzen inzwischen 3 Millionen Kunden.

Ganz entfallen wird die personalisierte Werbung beim Nutzen von Gmail aber weiterhin nicht. Der Konzern will sich aber nun nach anderen Kriterien richten. So kann Google einem Kunden aufgrund des vom Android-Smartphone gemeldeten Standorts, der besuchten Websites oder aufgrund der Nutzung googleeigener Apps zugeschnitte Anzeigen darstellen. Auch die Mails werden weiterhin gescannt, um so z.B. Komfortaktionen des Google-Assistenten Now nutzen zu können.

Durch entsprechende Änderungden ihrer Accounteinstellungen können Google-Nutzer der Personalisierung und der weitergehenden Informationsübermittlung an Google widersprechen.

Deutsche Post testet gezielte Werbung

12. Juni 2017

Die Deutsche Post testet zurzeit personalisierte Werbung.

Mit Hilfe einer Gesichtserkennungssoftware sollen die Anzeigen auf den Infodisplays in Partnerfilialen der Deutschen Post auf den Betrachter angepasst werden. Der Test läuft bereits seit Ende 2016. Über den Testlauf wird derzeit wieder gesprochen, weil die Supermarktkette Real ebenfalls zu Werbezwecken Kunden an der Kasse scannt (wir berichteten).

In 40 Partnerfilialen in Berlin und Köln läuft der Testbetrieb der Deutschen Post bereits, in Hamburg und München sollen Tests folgen. Das System erkennt durch Aufnahmen des Gesichts in kürzester Zeit, das Geschlecht und das Alter der Kunden und wie lange der Kunde auf den Bildschirm schaut. Daraus erhofft sich die Deutsche Post Rückschlüsse, um dann gezielter Werbung schalten zu können, sodass sich die Zufriedenheit der Kunden erhöht und die Deutsche Post von gezielterer Werbung profitieren kann.

Laut den Betreibern der benutzten Software sollen lediglich anonyme Metadaten der Betroffenen gespeichert werden. Die Technologie sei überhaupt nicht fähig Bilder oder Bewegtbilder zu speichern. Aus diesem Grund werden die Kunden der Partnerfilialen auch nicht explizit über die Gesichtserkennung informiert. Die Software kommt nach Aussage des Unternehmens ausschließlich an Orten zum Einsatz, die sowieso bereits als videoüberwacht gekennzeichnet sind.

Eine Gesichtserkennung durch Kameras zum Zwecke personalisierter Werbung wird grundsätzlich kritisch gesehen, wie die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen, Helga Block, über ihren Pressesprecher erklären lässt. Ebenso wird die Thematik von der Verbraucherzentrale NRW gesehen. Die Grünen sind diesbezüglich schon aktiv geworden und haben in dem neuen NRW-Landtag eine kleine Anfrage zu dem Thema gestellt, deren Antwort innerhalb der nächsten vier Wochen erwartet wird.