Smart Glasses verbinden digitale Funktionen mit dem unmittelbaren Alltag ihrer Nutzer. Gerade dadurch entstehen jedoch erhebliche Herausforderungen für Privatsphäre und Datenschutz. Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat deshalb einen Aktionsplan zu Smart Glasses veröffentlicht und erste Good Practices vorgestellt.
Auch die Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat zuletzt auf Risiken durch heimliches Filmen hingewiesen, etwa in Freibädern. Geräte mit integrierten Kameras, wie Smart Glasses, können solche Aufnahmen deutlich erleichtern, weil sie äußerlich nicht immer sofort als Aufnahmegeräte erkennbar sind. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie Innovation, Alltagstauglichkeit und der Schutz der Privatsphäre rechtssicher miteinander vereinbart werden können.
Skepsis gegenüber Smart Glasses
Anfang 2026 wurde in Frankreich eine Online-Befragung zur Wahrnehmung von Smart Glasses durchgeführt. Befragt wurden vom 22. bis 29. Januar 2026 insgesamt 2.128 Personen, die die französische Bevölkerung ab 18 Jahren repräsentieren. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Skepsis: 67 Prozent der Befragten sehen in Smart Glasses ein Risiko für die Privatsphäre.
Die Bedenken betreffen insbesondere das Recht am eigenen Bild sowie die Frage einer wirksamen Einwilligung. Auch eine mögliche missbräuchliche Verwendungen der erfassten Daten, etwa mithilfe Künstlicher Intelligenz und Deepfakes, bleibt für viele Befragte kritisch.
CNIL-Aktionsplan für mehr Wachsamkeit
Die CNIL sieht bei Smart Glasses vor allem das Risiko einer kaum erkennbaren Datenerhebung. Für Betroffene ist häufig nicht ersichtlich, ob es sich um eine gewöhnliche Brille oder um ein vernetztes Gerät mit Kamera- oder Mikrofonfunktion handelt. Auch kurze Lichtsignale während einer Aufnahme reichen nicht ohne Weiteres aus, um eine tragfähige Grundlage für die Datenverarbeitung zu schaffen.
Besonders kritisch ist das Risiko einer dauerhaften Überwachung im Alltag. Auch Bereiche, die zur Privat- oder Intimsphäre gehören, etwa medizinischen Räume, Umkleidekabinen oder Toiletten könnten dabei regelmäßig betroffen sein.
Die CNIL will deshalb ein gemeinsames Bewusstsein für die Risiken von Smart Glasses schaffen und die datenschutzrechtliche Konformität solcher Geräte weiter untersuchen. Dazu sollen rechtliche und technische Fragen vertieft analysiert, der Austausch mit europäischen Datenschutzbehörden auf Ebene des EDSA gesucht und auch andere zuständige öffentliche Stellen einbezogen werden. Zudem plant die CNIL, das Thema bei kommenden Veranstaltungen aufzugreifen, um die Diskussion weiterzuführen und für die Risiken zu sensibilisieren.
Good Practices: Datenschutzrisiken vermeiden
Bis die Ziele des Aktionsplans in konkrete Ergebnisse und verbindliche Vorgaben münden, gibt die CNIL Nutzern von Smart Glasses erste Good Practices an die Hand.
Dazu gehört zunächst, vor jeder Veröffentlichung sorgfältig zu überlegen, welche Folgen ein Foto oder Video für andere Personen haben kann. Auch scheinbar harmlose Aufnahmen können langfristige Auswirkungen haben, insbesondere wenn sie online geteilt werden. Personen in der Nähe sollten außerdem informiert werden, wenn Smart Glasses genutzt werden.
Die CNIL empfiehlt zudem, Funktionen der Smart Glasses zu deaktivieren, sobald sie nicht mehr erforderlich sind. Wo Mobiltelefone ausgeschaltet werden müssen, sollten auch Smart Glasses ausgeschaltet werden. Außerdem sollte auf eine Nutzung an Orten verzichtet werden, an denen Menschen nicht mit Aufnahmen oder Datenerhebungen rechnen.
Wer Fotos oder Videos verwenden möchte, auf denen andere Personen zu sehen sind, sollte deren Einwilligung einholen und das Recht am eigenen Bild beachten. Diese Good Practices sind nicht nur für private Nutzer relevant. Auch Unternehmen, die Smart Glasses oder ähnliche vernetzte Geräte im geschäftlichen Kontext einsetzen, etwa zu Schulungs- oder Dokumentationszwecken, müssen DSGVO-relevante Vorgaben berücksichtigen und geeignete interne Regeln schaffen.
Fazit
Smart Glasses zeigen, wie stark vernetzte Geräte datenschutzrechtliche und compliance-rechtliche Fragen berühren. Das betrifft nicht nur die private Nutzung im Alltag, sondern auch Unternehmen, die solche Technologien im geschäftlichen Kontext einsetzen.
Wichtig bleibt: Nutzer von Smart Glasses müssen die Privatsphäre der Personen achten, deren Bild oder Stimme erfasst werden könnte. Soweit erforderlich, muss betroffenen Personen außerdem die Möglichkeit gegeben werden, wirksam in eine Aufnahme oder weitere Nutzung einzuwilligen.
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