Google AI Overviews unter Druck durch britische Wettbewerbsbehörde

Die britische Wettbewerbsbehörde (Competition and Markets Authority, kurz: CMA) hat weitreichende Maßnahmen vorgeschlagen, um den Wettbewerb im Bereich der allgemeinen Suchdienste im Vereinigten Königreich neu zu gestalten. Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen stehen dabei insbesondere Googles KI-generierte Zusammenfassungen, die sogenannten „AI Overviews“.

Besitzt Google eine marktbeherrschende Stellung?

Diese Neuerungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass die CMA Google bereits im Oktober 2025 einen strategischen Marktstatus (Strategic Market Status, SMS) in Bezug auf Suchdienste und Suchwerbung zugewiesen hat. Diese Einstufung ermöglicht es der Behörde, gezielte Verhaltensregeln festzulegen. Eine vergleichbare Untersuchung gegen Google läuft aktuell bei der EU-Kommission hinsichtlich eines Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung nach Artikel 102 TFEU.

Sarah Cardell, die Vorstandsvorsitzende der CMA, bezeichnete dies als einen wichtigen Meilenstein für die digitalen Märkte im Vereinigten Königreich. Laut Cardell würden diese gezielten und verhältnismäßigen Maßnahmen den britischen Unternehmen und Verbrauchern mehr Auswahl und Kontrolle darüber geben, wie sie mit Googles Suchdiensten interagieren. Zudem betonte sie, dass die Maßnahmen einen faireren Deal für Content-Herausgeber, insbesondere Nachrichtenorganisationen, böten, wenn es darum geht, wie deren Inhalte in Googles KI-Zusammenfassungen verwendet werden.

Das Maßnahmenpaket der CMA zur Regulierung von KI-Funktionen

Das von der CMA vorgestellte Maßnahmenpaket konzentriert sich auf vier Kernbereiche, darunter der Umgang mit KI-generierten Inhalten. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Kontrollmöglichkeiten für Publisher. Die CMA schlägt vor, dass Google den Herausgebern von Inhalten eine echte Wahlmöglichkeit darüber einräumen muss, ob und wie ihre Inhalte zur Speisung von KI-Funktionen innerhalb der Suche oder zum Training von KI-Modellen außerhalb der Suche verwendet werden. Dies soll durch eine gesteigerte Transparenz darüber ergänzt werden, wie die Inhalte der Publisher in die KI-Antworten einfließen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten „Fair Ranking“. Google soll dazu verpflichtet werden, seinen Ansatz zur Rangfolge von Suchergebnissen, einschließlich der Darstellung in KI-Zusammenfassungen und im KI-Modus, fair und transparent zu gestalten. Dies beinhaltet die Anforderung, organische Suchergebnisse objektiv zu ranken. Hingegen nicht solche Webseiten zu bevorzugen, die Werbeanzeigen schalten oder andere kommerzielle Vereinbarungen mit Google getroffen haben. Zudem soll Google die Prozesse zur Bearbeitung von Beschwerden stärken, falls Unternehmen durch Änderungen des Rankings erhebliche negative Auswirkungen erfahren.

Googles angekündigte Opt-out-Lösung

Google hat auf die Vorschläge der CMA reagiert und arbeitet nach eigenen Angaben an Aktualisierungen seiner Kontrollmöglichkeiten für Webseitenbetreiber. Das Unternehmen kündigte an, dass es Webseiten künftig ermöglichen wolle, generative KI-Funktionen in der Suche gezielt zu deaktivieren. In seiner Konsultationsantwort betonte Google, dass es seine Ranking-Systeme so gestalte, dass die relevantesten und hochwertigsten Ergebnisse angezeigt würden. Das Unternehmen warnte jedoch davor, dass einige Vorschläge Dritter die Systeme für Manipulationen durch Spam-Akteure anfällig machen könnten.

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In Bezug auf die von der CMA geforderten Auswahlbildschirme für die Standardsuchmaschine schlug Google eine alternative Lösung vor. Statt wiederholter Pop-up-Fenster, die Nutzer als störend empfinden könnten, plädiert Google für einen permanenten Schalter in den Geräteeinstellungen. Damit solle es den Nutzern erleichtert werden, ihren bevorzugten Suchdienst jederzeit zu ändern, ohne durch häufige Unterbrechungen belästigt zu werden. Google unterstrich dabei sein Ziel, praktische Lösungen zu finden, die sowohl den Verlegern als auch den Unternehmen und Nutzern zugutekommen.

Kritik der Publisher-Verbände

Die Reaktionen der betroffenen Branchenverbände auf das Maßnahmenpaket fallen gemischt aus. Die britische Publishers Association begrüßte grundsätzlich die Bestrebungen der CMA für mehr Kontrolle und Transparenz, forderte jedoch noch weitergehende Schritte. Ein zentraler Kritikpunkt ist die Kopplung der Google-Crawler. Derzeit müssten Publisher das Crawling ihrer Seiten oft vollständig untersagen, wenn sie nicht möchten, dass ihre Inhalte für KI-Zusammenfassungen genutzt werden. Dadurch verschwinden sie jedoch gleichzeitig gänzlich aus den Google-Suchergebnissen.

Der Verband fordert daher eine strikte Trennung zwischen den Crawlern für die herkömmliche Websuche und den Crawlern für KI-Zwecke. Dies würde es den Medienhäusern ermöglichen, in der Suche präsent zu bleiben, während sie gleichzeitig die Nutzung für konkurrierende KI-Dienste unterbinden können.

Schlussfolgerungen für Unternehmen

Für Unternehmen unterstreichen die Entwicklungen in Großbritannien die wachsende Notwendigkeit, die Kontrolle über die eigenen Daten im KI-Zeitalter proaktiv zu steuern. Dazu zählt die technische und lizenzrechtliche Klärung, wie die Nutzung eigener Informationen für das KI-Training durch Plattformbetreiber kontrolliert werden kann.

Darüber hinaus sollten Firmen die Sichtbarkeit ihrer Marken in KI-Systemen regelmäßig überwachen. Nur so können sie auf potenzielle geschäftsschädigende Falschdarstellungen oder eine sinkende Auffindbarkeit ihrer Angebote reagieren. Die Möglichkeit, künftig gezielte Opt-out-Optionen für KI-Funktionen zu nutzen, könnte hierbei ein wichtiges Werkzeug werden. Ebenso kommt in der EU eine Beschwerde nach dem Digital Services Act in Betracht.

Fazit

Die regulatorischen Vorstöße der britischen Wettbewerbsbehörde zu Googles AI Overviews markieren eine neue Phase in der Aufsicht über Big-Tech-Akteure und deren KI-Praktiken. Während die endgültige Entscheidung noch abzuwarten ist, zeigt der Prozess erneut die Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen im KI-Sektor. Die Entwicklungen verdeutlichen, dass eine robuste KI-Compliance unerlässlich ist, um die Potenziale der KI sicher zu nutzen und gleichzeitig die eigene Marktposition zu schützen.

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