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„Big Russia is watching you“ – Olympia in Sotschi

11. Oktober 2013

Wenn am 7. Februar 2014 die XXII. Olympischen Spiele im russischen Sotschi beginnen, werden nicht nur milliarden Sportbegeisterte auf die gerade einmal 343.000 Einwohner beheimatende Stadt am Schwarzen Meer schauen. Auch Menschenrechtler und Datenschützer blicken der Veranstaltung mit Spannung entgegen. Denn gerade auch politisch gilt die Vergabe der Spiele in das größte Land der Erde als vielfach umstritten.

Die aktuellen Nachrichten der Weltpresse lassen erahnen warum. Jüngstes Beispiel ist die öffentlich gewordene Absicht des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Dieser plant Sportler und Besucher der Winterspiele umfassend auszuspähen. Jegliche Kommunikation per Telefon, Smartphone und Internet, kurzum, sämtlicher Datenverkehr, soll vollständig überwacht werden. Emails, Webchats und Unterhaltungen über soziale Medien sollen nach Schlagworten und Suchphrasen gescreent werden. Auch die Methode der Deep Packet Inspection, die das Durchleuchten ganzer Datenpakete ermöglicht, soll in Betracht gezogen werden.

Das Vorgehen weckt Erinnerungen an die Olympischen Sommerspiele in Peking 2008. Auch die chinesische Regierung präsentierte sich damals „interessiert“ an den Datentransfers rund um die Spiele. Die Folge war Überwachung und die Zensierung des Internets. Ron Deibert, Professor an der Universität von Toronto und Direktor des dort ansässigen Citizen Lab, sieht Russland jedoch noch einen Schritt weiter: „Sogar während der Olympischen Spiele in Peking gab es keine so ausgefeilte Überwachung und keine solchen Verfolgungsmöglichkeiten, wie sie heute existieren.“ Das von Russland verwendete landesweite System SORM (System für operative Ermittlungsaktionen) sei, verglichen mit dem viel diskutierten System der USA, „PRISM auf Steroiden“.