Schlagwort: Überwachungstechnologie

EU-Rat zu „Live-Gesichtserkennung“ bei Sport-Events

29. April 2020

Aufgrund einer Initiative der kroatischen EU-Ratspräsidentschaft wurde ein Treffen mit den Vertretern der Mitgliedstaaten vereinbart, um über die „Live-Gesichtserkennung“ bei Sport-Events zu diskutieren.

Mithilfe der „Live-Gesichtserkennungsmethode“ können Gesichter aus den Aufnahmen der Überwachungskameras mit der Datenbank abgeglichen werden. Dadurch können die Personen identifiziert und gegebenenfalls mit Beobachtungslisten abgeglichen werden.

Laut eines, heise online vorliegenden, vertraulichen Schreibens an die Fachgruppen, beleuchtete die EU-Ratspräsidentschaft die Gesichtserkennung von beiden Seiten. Einerseits würde die biometrische Technik neue Möglichkeiten für die Verfolgung von Straftätern schaffen. Sie könnte dabei ein wichtiger Schritt für die Terrorismusbekämpfung und die Auflösung von Verbrechen sein.

Andererseits stünden der Überwachungstechnik datenschutzrechtliche Bedenken entgegen. Durch die Anwendung dieser Methode könnten Grundrechte berührt werden und es bestünde eine relativ hohe Fehlerrate. Zudem könnte sich bei den Bürgern das Gefühl einstellen, dass sie durch die Überwachungssysteme dem Staat ausgeliefert sind.

Bei dem Treffen der Regierungsvertreter sollen die Mitgliedsstaaten Erfahrungen aus ihren Ländern auszutauschen und über die Chancen und Risiken debattieren.

Westerwelle: EU-Exportverbot für Überwachungstechnik

19. September 2012

Wie jetzt die Online-Ausgabe der Zeit berichtete, hat sich Bundesaußenminister Guido Westerwelle auf der durch das Außenministerium initiierten Konferenz „Internet and Human Rights“ in Berlin für ein EU-weites Exportverbot für Überwachungstechnik ausgesprochen. Angesichts der fortschreitenden Vorgehensweise autoritärer Regime, die Opposition und ihre Bürger systematisch zu kontrollieren und auszuspionieren, läge es auch in der Verantwortung der Bundesrepublik dem Handeln dieser Unrechtsstaaten nicht durch die Belieferung mit entsprechender Überwachungssoftware Vorschub zu leisten. Zu genaueren Details des Exportverbots äußerte er sich hingegen nicht. Die deutsche Regierung habe jedoch im Verbund mit anderen EU-Partnern angeregt, entsprechende Überwachungstechnologie in den Katalog der Güter aufzunehmen, deren Ausfuhr zu kontrollieren sei. Westerwelle greift mit dem Vorstoß eine bereits lange geäußerte Forderung von Organisationen (z.B. dem Chaos Computer Club, der Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation und Privacy International) auf. Diese hatten u.a. Siemens vorgeworfen, Überwachungshard-und  software in Länder wie Syrien, in denen die Bevölkerung systematisch überwacht werde, ausgeliefert zu haben. Wurden solche Auslieferungen bislang mit der Begründung gerechtfertigt, die Überwachungstechnik diene ausschließlich der Überführung Krimineller, könnte dem neuerlichen Vorstoß durch den Bundesaußenminister ein richtungsweisender Charakter zukommen.