Themenreihe Datenschutz und Corona – Teil 7: Kooperation der Deutschen Telekom mit dem Robert-Koch-Institut

25. März 2020

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus stellt die Deutsche Telekom dem Robert-Koch-Institut (RKI) kostenlos anonymisierte Handydaten ihrer Kunden zur Verfügung. Die Datensätze dienen der Erforschung der Ansteckungsrate des Coronavirus sowie der Beurteilung der verhängten Maßnahmen.

Die Deutsche Telekom AG bestätigte gegenüber „Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI“ ihre Zusammenarbeit mit der Bundesoberbehörde. Das Telekommunikationsunternehmen hat bereits am 17.03.2020 einen ersten Handydatensatz im Umfang von fünf Gigabyte aus dem letzten Quartal 2019 dem RKI übermittelt. Rund 46 Millionen Handykunden sind hiervon betroffen. Eine zweite Lieferung von Datensätzen, die aktuelle Bewegungsdaten bis zum 19. März 2020 enthält, erhielt das RKI in dieser Woche.

Betroffene Telekom-Kunden könnten sich nun die Frage stellen, welche Erkenntnisse das RKI aus ihren Handydaten im Kampf gegen das Coronavirus schöpfen? Dazu erklärt RKI-Präsident Lothar Wieler auf einer Pressekonferenz am 18.03.2020: „Diese aggregierten und anonymisierten Daten werden uns zeigen, wie sehr die Mobilität tatsächlich nachgelassen hat.“ Die Sprecherin der Deutschen Telekom führt dazu weiter aus: „Damit lassen sich Bewegungsströme modellieren – bundesweit, auf Bundesland-Ebene sowie auf die Kreis-Gemeinde-Ebene heruntergebrochen.“

Die Deutsche Telekom versichert auf Twitter, keine individuellen Handydaten freizugeben. Mit den übermittelten Handydaten sei eine digitale Beobachtung einzelner Bürger oder infizierter Menschen ausgeschlossen. Vielmehr handle es sich hierbei um sogenannte „Schwarmdaten“.

Der BfDI Ulrich Kelber erklärte dazu auf Twitter: „Die Weitergabe von Standortdaten durch die Deutsche Telekom an das Robert-Koch-Institut ist in der gewählten Form datenschutzrechtlich vertretbar. Vor allem unter den aktuellen Umständen spricht nichts gegen die Weitergabe dieser Daten zum Zweck des Gesundheitsschutzes. (…) Es handelt sich vorliegend um Daten, die keine Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichen.“

Auch andere Länder erhoffen sich mit dem Erfassen von Bewegungsdaten neue Erkenntnisse über das Verbreitungsverhalten des Coronavirus zu erhalten. In Österreich übermittelt der Mobilfunkanbieter A1 nach eigenen Angaben der Regierung die Bewegungsdaten aller österreichischen Bürger. In China, Südkorea und Taiwan greift die Regierung zu härteren Überwachungstechniken, wie z.B. Phone-tracking-Technologie und Handy-Apps.

Die Themenreihe zu Datenschutz und Corona wird morgen mit einem Beitrag zum Thema „Datenschutz und Homeschooling“ fortgesetzt.

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