Konkurrenz zur Meta Brille: zunehmende Datenschutzrisiken durch günstigere Smart Glasses

Smart Glasses mit integrierter Kamera entwickeln sich zunehmend zu alltagstauglichen Geräten. Nachdem insbesondere die Meta Ray-Ban Smart Glasses für Aufmerksamkeit gesorgt haben, bringen inzwischen auch weitere Anbieter vergleichbare Produkte auf den Markt.

Erst kürzlich brachte Kmart in Australien sogenannte Camera Glasses der Marke Anko für 89 australische Dollar auf den Markt. Die Brillen waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Der Fall zeigt, dass Smart Glasses zunehmend einem breiteren Nutzerkreis zugänglich werden und damit datenschutzrechtlich immer bedeutsam werden

Heimliche Aufnahmen als zentrales Datenschutzrisiko

Bereits die Meta Ray-Ban Smart Glasses werden aus Sicht des Datenschutzrechtes erheblich kritisiert. Problematisch ist insbesondere, dass sie äußerlich nur schwer von herkömmlichen Brillen ohne Aufnahmefunktion zu unterscheiden sind.

Zwar verfügen die Meta-Brillen über ein LED-Licht, das bei aktivierter Foto- oder Videoaufnahme aufleuchtet. Dennoch verdeckten Nutzer dieses Licht, um andere Personen unbemerkt aufzunehmen. Meta reagierte darauf mit einem Software-Update, das die Aufnahmefunktion deaktiviert, wenn das LED-Licht verdeckt oder beeinträchtigt wird. Zudem entfernte das Unternehmen Videos von seinen eigenen Plattformen, in denen die Brillen zur unbemerkten Aufnahme und Belästigung fremder Personen eingesetzt wurde.

Billigprodukte verschärfen bestehende Datenschutzrisiken

Nach Angaben von Meta wurden weltweit bereits mehr als sieben Millionen Smart Glasses verkauft. Für die datenschutzrechtliche Diskussion ist jedoch umso relevanter, dass zunehmend auch deutlich günstigere Produkte mit vergleichbaren Aufnahmefunktionen auf den Markt gelangen. Damit werden Kamera-Brillen einem noch breiteren Nutzerkreis zugänglich.

Auch die von Kmart angebotene Anko-Brille kann Fotos und Videos aufnehmen. Über die Software lassen sich unter anderem auch Musik wiedergeben, Anrufe annehmen, ein KI-Assistent nutzen und Aufnahmen übertragen.

Datenschutzexperten sehen in der wachsenden Verfügbarkeit solcher Produkte ein erhebliches Risiko für due Privatsphäre und personenbezogene Daten und bezeichnen Smart Glasses als „privacy nightmare“. Die Entwicklung zeige Experten zufolge auch, dass das australische Datenschutzrecht sich mit der technologischen Entwicklung der Smart Glasses noch nicht ausreichend befasst habe. Im EU-Raum hat zuletzt die französische Datenschutzaufsicht CNIL einen Aktionsplan zu Smart Glasses und Datenschutz veröffentlicht.

Der entscheidende Aspekt aus datenschutzrechtlicher Perspektive liegt in der zunehmenden Verbreitung der Smart Glasses. Je niedriger die Einstiegshürde für den Erwerb entsprechender Geräte wird, desto häufiger können unauffällige Aufnahmefunktionen auch im Alltag eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass günstigere Modelle häufig nicht über technische Schutzmechanismen gegen heimliche Aufnahmen verfügen, wie sie Meta zuletzt eingeführt hat.

Australische Datenschutzaufsicht beobachtet die Entwicklung

Auch die australische Datenschutzaufsichtsbehörde befasst sich mit der zunehmenden Verbreitung der Technologie. Sie weist darauf hin, dass Organisationen, die personenbezogene Informationen erheben, den Vorgaben des australischen Privacy Act und den Australian Privacy Principles unterliegen können.

Kmart selbst verweist auf die Verantwortung der Nutzer. Diese sollen die Smart Glasses verantwortungsvoll und respektvoll sowie unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben und Erwartungen an die Privatsphre nutzen.

Fazit

Die datenschutzrechtlichen Risiken von Smart Glasses bestehen auch weiterhin, und zwar unabhängig vom jeweiligen Hersteller. Die Entwicklung günstiger Konkurrenzprodukte verändert hierbei jedoch die Dimension der Problematik. Aus einer bislang vergleichsweise hochpreisigen Technologie kann zunehmend ein massenhaft verfügbares Alltagsprodukt werden.

Der schnelle Ausverkauf der Anko-Brille in Australien verdeutlicht diese Entwicklung. Mit den sinkenden Preisen steigt die praktische Reichweite der Technologie und damit auch die Bedeutung der bereits bekannten Datenschutzrisiken.

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