Wer reguliert KI in den USA – Kalifornien oder Bundesregierung?

In der globalen Debatte um die Governance Künstlicher Intelligenz (KI) verschärfen sich die Fronten zwischen dem Bundesstaat Kalifornien und der US-Bundesregierung unter Donald Trump. Während Kalifornien als Sitz der weltweit führenden KI-Unternehmen verstärkt auf verbindliche Sicherheits- und Transparenzstandards setzt, forciert die Bundesebene eine Strategie der weitgehenden Deregulierung. Dieser Konflikt hat weitreichende Auswirkungen auf die Compliance-Anforderungen für Entwickler und Nutzer von KI-Systemen.

SB 53: KI-Regulierung in Kalifornien

Die aktuelle regulatorische Entwicklung in Kalifornien fusst maßgeblich auf dem im September 2025 verabschiedeten Gesetz SB 53, auch bekannt als Transparency in Frontier Artificial Intelligence Act (TFAIA). Dieses Gesetz konzentriert sich auf sogenannte Frontier-Modelle, die eine Rechenleistung von mehr als 10^26 FLOPs beim Training überschreiten. Betroffene Entwickler müssen seither detaillierte Sicherheits-Frameworks und Transparenzberichte veröffentlichen, die darlegen, wie sie katastrophale Risiken – etwa im Bereich der Cybersicherheit oder bei biologischen Bedrohungen – managen. Ein wesentlicher Bestandteil von SB 53 sind zudem die strengen Whistleblower-Schutzbestimmungen für Mitarbeiter, die potenzielle Gefahren durch KI-Modelle intern oder an Behörden melden.

Kritik der US-Regierung an KI-Regulierung

Diese einzelstaatlichen Vorstöße stoßen auf massiven Widerstand der Trump-Administration, die bereits im Dezember 2025 per Dekret ein nationales politisches Rahmenwerk für KI etablierte. Präsident Trump kritisiert die kalifornischen Regelungen als „belastende Vorschriften“, die die Innovationskraft US-amerikanischer Unternehmen im globalen Wettbewerb lähmen und einen regulatorischen „Flickenteppich“ aus 50 verschiedenen Regimes schaffen würden.

Trumps National AI Legislative Framework

Das am 20. März 2026 vorgestellte National AI Legislative Framework betont stattdessen die Reduzierung von Barrieren und setzt den Fokus primär auf den Schutz von Kindern, das Urheberrecht und die Verhinderung von Zensur durch KI-Systeme. Um die staatlichen Regulierungsbemühungen zu unterbinden, wurde eine spezielle Taskforce für KI-Rechtsstreitigkeiten eingerichtet, die bereits gegen Gesetze wie SB 53 vorgeht. Zudem droht die Bundesregierung damit, Fördergelder für Bundesstaaten einzufrieren, deren KI-Gesetze im Widerspruch zur nationalen Deregulierungsstrategie stehen.

Kalifornien stärkt KI-Sicherheitsregeln weiter

Nur zehn Tage später verdeutlicht Kalifornien ihre Gegenposition: Aufbauend auf SB 53 unterzeichnete der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am 30. März 2026 die Executive Order N-5-26, um die öffentliche Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre weiter zu stärken. Das Dekret nutzt die wirtschaftliche Bedeutung staatlicher Aufträge als Steuerungsinstrument, indem es neue Zertifizierungen für Unternehmen vorsieht, die mit dem Bundesstaat Kalifornien Geschäftsbeziehungen pflegen. Diese Unternehmen müssen nun proaktiv nachweisen, dass sie über wirksame Sicherheitsvorkehrungen gegen den Missbrauch ihrer Technologien verfügen, insbesondere zur Verhinderung illegaler Inhalte oder diskriminierender Verzerrungen in den Modellen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten durch Wasserzeichen sowie der Veröffentlichung eines Toolkits zur Datenminimierung für staatliche Behörden.

Ausblick auf KI-Regulierung USA

Für betroffene Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt dieser institutionelle Konflikt zu einer Phase erheblicher Rechtsunsicherheit. Während Kalifornien durch SB 53 und die neue Executive Order faktisch neue Industriestandards für Transparenz und Risikomanagement etabliert, versucht die Bundesebene diese durch Klagen und drohende Mittelkürzungen zu neutralisieren. Aus Compliance-Sicht empfiehlt es sich, die kalifornischen Anforderungen als richtungsweisend für ein proaktives Risikomanagement zu betrachten, da Transparenzberichte und Sicherheits-Frameworks zunehmend zur geschäftlichen Notwendigkeit in der Lieferkette werden. Unternehmen sollten die weitere Entwicklung des National AI Legislative Framework genau beobachten, da eine bundesweite Harmonisierung zwar angestrebt wird, die rechtlichen Auseinandersetzungen um die einzelstaatliche Souveränität in der KI-Regulierung jedoch anhalten dürften.

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