Schlagwort: Versicherungspaket nach Fahrstil

Neues Gesetz für den Datenschutz im Auto?

9. April 2015

Der baden-württembergische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Jörg Klingbeil, fordert in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung neue gesetzliche Regelungen zum Datenschutz von Fahrern in PKW. Im Gegensatz zum Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht Klingbeil die Erhebung von technischen Daten in Kraftfahrzeugen grundsätzlich kritisch, da jeweils zumindest der Halter eines Fahrzeugs den Daten zugeordnet werden könne, wodurch personenbezogene Daten betroffen wären. Auch Klingbeils Kollege, Dr. Thilo Weichert, der Landesdatenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein meldete zuletzt Bedenken gegenüber der Position des VDA an.

Insbesondere der Grundsatz der Datensparsamkeit dürfte beim massenhaften Sammeln von Daten im Auto gefährdet sein. Neben überzeugenden Löschkonzepten muss die Industrie auch Wege zum Pseudonymisieren bzw. Anonymisieren finden, um dem Thema Datenschutz gerecht zu werden. Klingbeil sieht hier aber auch ein Chance für die deutschen Premuimanbieter, gute Datenschutzkonzepte auch werbewirksam zu nutzen.

An den Daten selbst ist neben der Autoindustrie vor allem auch die Versicherungsbranche interessiert. Die Sparkassen Direktversicherung bietet bereits seit einiger Zeit einen entsprechenden „Telematik-Sicherheits-Service“ an, der momentan aber vergriffen ist.

Letztlich bleibt es dabei: das Kleingedruckte im Kaufvertrag des neuen Familienautos sollte zukünftig auch mit Blick auf den Datenschutz sorgfältig gelesen werden, um eine unfreiwillige Einwilligung in entsprechende Erhebungen bzw. Verarbeitungen von personenbezogenen Daten auszuschließen.

Signal Iduna: Vom Fahrstil abhängiges Kfz-Versicherungspaket

5. November 2014

Der Versicherungskonzern Signal Iduna hat Medienberichten zufolge ein Kfz-Versicherungspaket für junge Erwachsene vorgestellt, bei dem die Höhe der Beiträge vom Fahrstil abhängig gemacht wird. Ein Dongle, der an die Diagnoseschnittstelle des Autos gesteckt wird, soll Fahrzeugdaten per Bluetooth an eine Smartphone-App übermitteln, die den Fahrstil analysiert und dabei Beschleunigung, Kurvengeschwindigkeit und Bremsverhalten berücksichtigt. Daraus werde wiederum ein individueller Score berechnet, an dem sich die Beitragshöhe bemisst.

Der AppDrive-Tarif richte sich an Fahrer unter 30 Jahren – er starte mit einer Beitragsermäßigung von 15%. Durch umsichtiges Fahren – beworben mit dem Slogan „Sicher fahr´n, sofort spar´n“ – soll eine weitere Senkung um 25% möglich sein. Nachforderungen, wenn sich der Fahrstil ändert, schließt die Versicherung aus. Der Fahrer wiederum soll seinen AppDrive-Score am Handy auslesen können. Er erhalte zudem Tipps, wie sich dieser verbessern lässt. Als OBD2-Dongle nutze Signal Iduna den TomTom Link 100 – damit soll Versicherungen, Fahrzeugherstellern, Pannendiensten und Leasingunternehmen ein einfacher Zugriff auf Daten zum Fahrverhalten und zur Fahrzeugnutzung ermöglicht werden.

Datenschutzrechtliche Bedenken wurden bislang mit dem Hinweis, dass – anders als bei ähnlichen Versicherungspaketen – keine GPS-Daten erfasst werden, abgewiesen. Aber auch ohne GPS-Daten werden interessante Daten erfasst. Der TomTom Link 100 soll z.B. Daten zwischenspeichern, die auch nach einem Unfall ausgewertet werden könnten, um die Schuldfrage zu klären. Damit wächst das Risiko, dass die ursprünglich aus ökonomischen Interessen „freigegebenen “ Daten für andere Zwecke verwendet werden – Interessenten dürfte es hinreichend geben.