Schlagwort: Versicherung

Google Street View: Das Bild eines Hauses sagt das Risiko eines Autounfalls voraus

20. Mai 2019


So lautet das interessante Ergebnis einer Studie zweier Datenforscher, wohnhaft in Warschau und Stanford.

Kinga Kita-Wojciechowska und Łukasz Kidziński begannen mit einem Datensatz von 20.000 Personen, die zwischen 2013 und 2015 in Polen eine Autoversicherung abgeschlossen hatten. Diese wurden nach dem Zufallsprinzip aus der Datenbank eines nicht offenbarten Versicherungsunternehmens ausgewählt. Jeder Datensatz enthielt die Adresse des Versicherungsnehmers und die Anzahl der Schadensfälle, die er in der Zeit von 2013 bis 2015 geltend gemacht hat.
Anschließend haben die Forscher die Adressen bei Google Street View eingegeben und ein Bild des Hauses heruntergeladen, welches kommentiert und mit Notizen über das Alter des Gebäudes, dessen Art (Einfamilienhaus, Reihenhaus, Mehrfamilienhaus, etc.) und Zustand versehen wurde.
Eine Software verarbeitete die Daten und erstellte ein Modell, das das Risiko von Autounfällen für die Haushalte genauer vorhersagen konnte, als die derzeit von den Versicherungsgesellschaften eingesetzten Modelle. Diese berücksichtigen für ihre Prognose der zukünftig eintretenden Schäden bisher die Postleitzahl des Versicherungsnehmers, dessen Alter und Geschlecht, sowie die Schadenhistorie des Fahrers und weitere Faktoren.

Laut Kidziński und Kita-Wojciechowska konnte festgestellt werden, dass Merkmale, die auf dem Bild eines Hauses sichtbar sind und Aufschlüsse über die Wohnsituation eines Versicherungsnehmers geben, das Risiko eines Autounfalls vorhersagen können.
Werden diese Faktoren in dem Risikomodell des Versicherers berücksichtigt, können sie seine Vorhersage um 2% verbessern.

Die Google Street View-Technik hat demnach das Potenzial, die Vorhersage zu optimieren.

Der Ansatz der Forscher wirft eine Reihe wichtiger Fragen hinsichtlich der Verwendung personenbezogener Daten auf. Kidziński und Kita-Wojciechowska stellten bereits kritisch fest, dass die Zustimmung der Kunden zum Speichern ihrer Adressen durch das Unternehmen nicht unbedingt eine Zustimmung zum Speichern von Informationen über das Aussehen ihrer Häuser bedeutet.

Es drängt sich die Frage auf, welche Unternehmen ebenfalls von diesem Modell profitieren könnten.
Kidziński und Kita-Wojciechowska vermuten, dass der Bankensektor der Versicherungsbranche schnell folgen könnte, da es eine Korrelation zwischen Versicherungsrisikomodellen und Kreditrisikoscoring gäbe.

In Deutschland sind die Dienste von Google Street View aus Datenschutzgründen nur eingeschränkt verfügbar.

Business Intelligence Lösungen von Versicherungen berücksichtigen Datenschutz nicht ausreichend

7. November 2012

Obwohl die Versicherungsbranche mit besonders vielen und sensiblen personenbezogenen Daten in Berührung kommt, ergab eine Umfrage von Steria Mummert Consulting unter zwei Dutzend Versicherungsunternehmen im Rahmen der „BiMA for Insurance“-Studie, dass Datenschutz und Sicherheit in den Business Intelligence-(BI)-Lösungen der Assekuranzen noch kein ausreichender Stellenwert eingeräumt wird.

Über 90 % der befragten Unternehmen achten der Studie zufolge auf zwar auf Gesetzeskonformität; dabei wird allerdings in der Regel nur ein Zugriffsschutz von außen berücksichtigt, wohingegen ein solcher nach innen vernachlässigt wird. So gaben nur 5 % der Befragten an, Benutzerzugriffe auf besonders sensible Daten zu überwachen. Weiterhin ergab die Auswertung, dass bei 36 % der Unternehmen Echtdaten in Entwicklungssystemen genutzt werden. Synthetische Daten finden in 37 %, zumindest anonymisierte Daten in 26 %, aller Fälle Anwendung. In über 90 % der Fälle sollen die Entwickler zudem Zugriff auf die Produktivsysteme und die darin enthaltenen Daten haben.

Mark Hertting von Steria Mummert Consulting sieht daher die Datenschutzbeauftragten der Versicherer in der Pflicht, nicht nur den Status Quo zu wahren, sondern den Datenschutz aktiv voran zu treiben. Weiterhin plädiert er dafür, nicht nur personenbezogene Daten, sondern auch kritisches Know-How und Firmengeheimnisse angemessen zu schützen. Zu guter Letzt wies Hertting noch darauf hin, dass frühzeitig auch an den Schutz sensibler Daten zu denken sei, wenn zukünftig mobile BI-Lösungen (Smartphone, Tablet etc.) zum Einsatz kommen sollen.

Kategorien: Internationaler Datenschutz
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