Twitter: Strafe in Millionenhöhe, wegen Nutzertäuschung

2. Juni 2022

Twitter hatte jahrelang verschwiegen, dass aus Sicherheitsgründen hinterlegte Handynummern und E-Mail-Adressen auch zu Werbezwecken verwendet worden waren. Das Unternehmen sprach von einem „Versehen“.

In der veröffentlichten Klageschrift von letzter Woche verwiesen die Handelsbehörde FTC und das Justizministerium darauf, dass Twitter die Nutzer um ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen mit der Begründung gebeten hatte, man könne damit ihre Accounts besser absichern. Online-Dienste greifen auf E-Mails oder Nachrichten an Handy-Nummern zum Beispiel zum Zwecke der Anmeldung auf neuen Geräten zurück sowie bei vergessenen Passwörtern oder um gesperrte Profile wieder freizuschalten.

Twitter habe die Daten aber auch verwendet, um den Nutzern personalisierte Werbung anzuzeigen, hieß es in der Klage. Damit seien die für andere Zwecke erhobenen Kontaktinformationen missbraucht worden. Twitter habe verschwiegen, dass es für eine Zwei-Faktor-Authentifizierung hinterlegte Handynummern und E-Mail-Adressen dazu verwendet habe, Unternehmen dabei zu helfen, personalisierte Werbung zu schalten. Zwischen Mai 2013 und September 2019 hätten mehr als 140 Millionen Nutzer ihre Telefonnummern oder E-Mail-Adressen mit Twitter geteilt, betonte die US-Regierung. Sie sah in der Vorgehensweise des Dienstes einen Verstoß gegen eine Einigung aus dem Jahr 2011, in welcher sich Twitter auch zu Transparenz beim Datenschutz verpflichtet hatte.

Twitter räumte die Vorwürfe in einer Stellungnahme ein. „Einige der zu Sicherheitszwecken bereitgestellten E-Mail-Adressen und Telefonnummern konnten versehentlich für Werbezwecke verwendet werden“, erklärte der Leiter der Datenschutzabteilung, Damien Kieran.

Mit 150 Millionen Dollar (140 Millionen Euro) kommt Twitter allerdings deutlich günstiger davon als Facebook im Jahr 2019. Damals warfen US-Behörden dem weltgrößten Online-Netzwerk ebenfalls vor, frühere Datenschutz-Verpflichtungen verletzt zu haben. Facebook zahlte fünf Milliarden Dollar und stimmte einer strikteren Datenschutz-Aufsicht zu. Auch Twitter muss nun unter anderem den Datenschutz von durch die FTC benannten Experten prüfen lassen und der Behörde Zwischenfälle binnen 30 Tagen melden. Außerdem soll Twitter ein Verfahren zur sicheren Anmeldung anbieten, das ohne eine Telefonnummer funktioniert.