Geheime Fan-Datenbank in Bayern aufgedeckt

31. August 2021

Das Bayerische Landeskriminalamt hat im Geheimen eine Datenbank über Fußball-Fans geführt, wie eine Anfrage der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag ans Licht gebracht hat. Mit Stand vom 15.06.2021 wurden Daten über 1644 Personen gespeichert, begonnen hat das Projekt „EASy Gewalt und Sport“ (Abkürzung für „Ermittlungs- und Analyseunterstützendes EDV-System“) am 24.01.2020.

Kritik gibt es vor allem dafür, wie leicht Betroffene in die Datei aufgenommen werden. So erfolgt die Aufnahme „nicht auf Basis eines einzelnen relevanten Sachverhalts, sondern auf Grundlage einer sogenannten Individualprognose“, wie die Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf die Grünen-Anfrage beschreibt. Eine Interpretation legt nahe, dass die Aufnahme auch ohne Verdacht auf eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit erfolgen könnte.

Kritiker befürchten, dass durch solche Datensammlungen eine Kartografie der ganzen Fan-Szene in Bayern erstellt werden könnte. Daraus könnte hervorgehen, wer mit wem Kontakt hat, welche Fanclubs besucht werden oder wer Bekannte in Ultra-Gruppierungen hat. Die Staatsregierung äußert dazu, dass die Daten zu Prognosen eingesetzt würden, die der „vorbeugenden Bekämpfung bzw. Verhütung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“ dienen sollen. Der sportpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Max Deisenhofer, sieht diese Notwendigkeit nicht. Er hält den Besuch von Fußballspielen in Bayern für gefahrlos möglich, die Anzahl der Delikte gehe seit Jahren zurück.

Betroffene Personen werden nicht darüber informiert, dass sie in die Datenbank aufgenommen wurden. Daher haben auch nur sehr wenige Betroffene Gebrauch von ihrem Auskunftsrecht gemacht. Der zuständige Datenschutzbeauftragte Dr. Thomas Petri sieht die Speicherung szenetypischer Daten in vornehmlich präventiver Ausrichtung als „oftmals erforderlich“ an. Allerdings ist er der Meinung, dass eine entsprechende Information an die Betroffenen aus Transparenzgründen „zu begrüßen“ sei.

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