Schlagwort: Auskunftei

LfDI BW verwarnt Wirtschaftsauskunftei

9. Juni 2020

Neben den vielfach genutzten und in der öffentlichen Berichterstattung präsenten Geldbußen, enthält die DSGVO noch weitere Sanktionsmöglichkeiten. Dazu gehört unter anderem die Verwarnung des Verantwortlichen gemäß Art. 58 Abs. 2 lit. b) DSGVO.

Die Verwarnung wird als „Gelbe Karte“ angesehen. Sie soll den Verantwortlichen darauf aufmerksam machen, dass er durch eine spezielle Datenverarbeitung gegen die Voraussetzungen der DSGVO verstoßen hat. Gemäß Erwägungsgrund 148 S. 1 und 2 zur DSGVO soll die Verwarnung „anstelle einer Geldbuße“ verhängt werden. Damit hat sie also, genau wie die Geldbuße, repressiven Charakter und knüpft an einen Verstoß an. Dieser Verstoß wird von der Aufsichtsbehörde aber nicht als so gravierend angesehen, dass eine Geldbuße angezeigt wäre.

Im vorliegenden Fall hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Baden Württemberg (LfDI BW), Stefan Brink, eine gebührenpflichtige Verwarnung gegen eine Wirtschaftsauskunftei ausgesprochen. Die Höhe der Gebühr wurde nicht veröffentlicht.

Grundlage für die Verwarnung war die Bildung des sogenannten „Scorewertes“. Der Scorewert wird von Kreditgebern herangezogen, um die Kreditwürdigkeit eines potentiellen Kreditnehmers zu beurteilen. Der Stein des Anstoßes und damit Grundlage für den Ausspruch der Verwarnung ist, dass die Auskunfteien, sofern sie keine Daten über den potentiellen Kreditnehmer finden, diesen automatisch als weniger kreditwürdig eingestufen. Dies hat Auswirkungen auf die Höhe des Kreditrahmens. In der Konsequenz kann dies dazu führen, dass Unternehmen oder Privatpersonen einen geringeren oder auch keinen Kredit bekommen. Darüberhinaus könnte der Eindruck entstehen, dass die niedrige Kreditwürdigkeit darauf beruht, dass es in der Vergangenheit zu Zahlungsrückständen kam, führt der LfDI BW aus.

Der LfDI BW Brink stellt zudem klar, dass „eine Bewertung der Kreditwürdigkeit nur rechtmäßig ist, wenn diese Bewertung auf einer ausreichenden und zutreffenden Tatsachengrundlage beruht.“

Aufgrund mangelnder Transparenz hinsichtlich der Bildung des Scorewerts waren Auskunfteien schon häufiger in der Kritik. Unter anderem die Schufa musste diesbezüglich in der Vergangenheit bereits Kritik einstecken.

Deutsche Bahn übermittelt Kundendaten an Auskunftei

12. Mai 2016

Wie Recherchen des SWR ergeben haben, übermittelt die Deutsche Bahn personenbezogene Daten ihrer Kunden an eine Auskunftei.

Hintergrund ist Folgender: Wird ein Fahrgast ohne vermeintlich gültigen Fahrschein vom Schaffner kontrolliert, nimmt der Schaffner die Daten des Fahrgasts auf, welche anschließend an die Fahrpreisnachermittlungsstelle der Deutschen Bahn zum Zwecke der Begleichung der offenen Forderungen der Bahn gegen den Fahrgast übermittelt werden.

Hinter der Fahrpreisnachermittlungsstelle steht jedoch nicht die Deutsche Bahn, sondern nach Angaben des SWR das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Unternehmen Avarto Infoscore. Dies wird dem betroffenen Fahrgast jedoch nicht erkennbar mitgteilt.

Dass ein externer Dienstleister – wie in dem vorliegenden Falle mit der Zahlungsabwicklung – beauftragt wird und, dass in diesem Zusammenhang personenbezogene Daten weitergegeben werden, ist zunächst nicht per se datenschutzrechtlich unzulässig. Die Deutsche Bahn versäumt jedoch, ihre Kunden auf die Weitergabe der Daten hinzuweisen und, dass es sich bei dem Unternehmen Avarto Infoscore um eine Auskunftei handelt. Damit verstößt die Deutsche Bahn zum einen gegen das im Datenschutzrecht geltende Transparenzgebot. Außerdem ist die Übermittlung von personenbezogenen Daten an Auskunfteien an strenge gesetzliche Voraussetzungen geknüpft, die pauschal nicht für alle Fälle von Schwarzfahrten vorliegen. Betroffenen Fahrgästen droht durch den geschilderten Umgang mit ihren Daten eine negative Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit.